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Syntax // Satzbau

Feldermodell einfach erklärt

Das topologische Feldermodell einfach erklärt. Vorfeld, Mittelfeld, Nachfeld und Satzklammer mit Beispielen und Methoden zur sicheren Satzanalyse. Jetzt kostenlos lernen!

01

Die fünf Felder des Hauptsatzes

Jeder deutsche Hauptsatz lässt sich in fünf Positionen einteilen.

So ist der Hauptsatz aufgebaut
Vorfeld
VF
- genau ein Satzglied -
linke
Klammer
LK
- gebeugtes Verb- 
Mittelfeld
MF
- der ganze Rest -
rechte
Klammer
RK
- zweiter Verbteil -
Nachfeld
NF
- Nachgestelltes -
Ein Beispielsatz, in dessen Felder zerlegt:
Am Wochenendehatdie Bäckerin frische Brötchenverkauft.

Das gebeugte Verb
hat (LK) und das Partizip verkauft (RK) bilden die Klammer um das Mittelfeld herum.
VF · Vorfeld

Vorfeld

Das Vorfeld steht vor dem gebeugten Verb. Im Aussagesatz wird es von genau einem Satzglied gefüllt. Was dort steht, ist das, worüber der Satz spricht.

  • Immer nur ein Satzglied im Aussagesatz
  • Subjekt, Objekt oder eine Angabe kann dort stehen
  • Bleibt leer bei Ja/Nein-Fragen und Befehlen
Die Imkerin erntet den Honig.
Den Honig erntet die Imkerin.
Im August erntet sie den Honig.
LK / RK · Satzklammer

Satzklammer

Die Klammer ist das typische Merkmal des deutschen Satzes. Das gebeugte Verb links und ein zweiter Verbteil rechts halten den Hauptsatz zusammen.

  • Links: das gebeugte Verb
  • Rechts: Partizip, Infinitiv oder abgetrennte Vorsilbe
  • Bei einfachen Verben bleibt die rechte Seite leer
Der Tischler hat den Schrank repariert.
Die Crew lädt die Koffer aus.
MF · Mittelfeld

Mittelfeld

Das Mittelfeld liegt zwischen den beiden Klammerteilen. Hier steht das meiste: Subjekt, Objekte und Angaben. Die Reihenfolge ist beweglich, folgt aber Gewohnheiten.

  • Hier sammeln sich die meisten Satzglieder
  • Kurze Pronomen rücken weit nach links
  • Faustregel: Wem vor Wen bei zwei Nomen
Er hat dem Gast den Tee serviert.
Gestern hat der Wirt dem Gast den Tee serviert.
NF · Nachfeld

Nachfeld

Das Nachfeld steht hinter der rechten Klammer und ist meist leer. Dort landen oft ganze Nebensätze und Vergleiche, die sonst das Mittelfeld zu schwer machen würden.

  • Nachgestellte Nebensätze
  • Vergleiche mit als und wie
  • Lange Zusätze, die nach hinten rutschen
Sie hat gehofft, dass der Zug pünktlich kommt.
Er ist heute schneller gelaufenals gestern.
das praktische dahinter

Die Klammer schafft Freiraum

Weil die Klammer den Satz zusammenhält, darf das Mittelfeld locker bleiben. Man kann die Satzglieder umstellen, ohne dass der Satz auseinanderfällt. Sprachen ohne diese Klammer, etwa das Englische, haben eine viel festere Wortstellung.

Wer die Klammer findet, hat den Satz fast schon zerlegt: erst die beiden Verbteile markieren, dann das Vorfeld und der Rest stellt dann das Mittelfeld dar.
02

Die Verbstellungen

An der Stelle des gebeugten Verbs erkennt man den Satztyp. Es gibt drei Möglichkeiten: an zweiter Stelle, ganz vorne oder ganz hinten.

V2

Verb an zweiter Stelle

Das gebeugte Verb steht direkt hinter dem Vorfeld. So bauen wir Aussagesätze und Fragen mit Fragewort.

VFVerbMF(RK)
Die Pilotin steuert das Flugzeug.
Heute hat sie es sicher gelandet.
Wohin fliegt die Pilotin?
V1

Verb an erster Stelle

Das Vorfeld bleibt leer, das gebeugte Verb steht ganz vorne. So entstehen Ja/Nein-Fragen und Befehle.

VerbMF(RK)
Steuert die Pilotin das Flugzeug?
Gieß die Blumen!
Hätte ich das nur gewusst!
VE

Verb am Ende

Das gebeugte Verb rutscht ans Satzende. So sehen Nebensätze aus, die mit Wörtern wie weil oder dass beginnen.

MFVerb am Ende
weil die Pilotin das Flugzeug gesteuert hat.
dass der Motor brummt.
der Vogel, der zwitschert.

Verbstellung und Satztyp

Verb steht Satztyp Erkennungszeichen Beispiel
V2 Aussagesatz Vorfeld besetzt Die Pilotin fliegt.
V2 Frage mit Fragewort W-Wort im Vorfeld Wohin fliegt sie?
V1 Ja/Nein-Frage Vorfeld leer Fliegt sie heute?
V1 Befehl Vorfeld leer Flieg vorsichtig!
VE Nebensatz mit Konjunktion weil, dass, wenn, ob… …weil sie fliegt.
VE Relativsatz der, die, das … …die heute fliegt.
VE indirekte Frage ob, wohin, wer… …ob sie fliegt.

Mehr Material

Fachlich fundiert

Die Wortart- und Kasusbestimmung stützt sich auf das statistische Sprachmodell von spaCy sowie LingMorph-v1 und die Tagsätze der germanistischen Schulgrammatik. Das Feldermodell folgt der etablierten topologischen Beschreibung des deutschen Satzes.

Die LingMorph-v1 ist eine Engine welche auf spaCys statistischen Modellen aufbaut und sie  mit drei unabhängigen, voneinander abgekoppelten Modulen ergänzt: Wortarten-Klassifikation nach STTS-Feinklassen, Kasus- und Merkmals-Erkennung und topologisches Feldermodell. Die Engine ist dabei erfahrungsgemäß fehlerresistent: Jede Teilanalyse ist einzeln gekapselt, sodass ein Fehler niemals die gesamte Ausgabe zerstört. Sie nutzt Adjektiv-Suffix-Erkennungen zur Korrektur von Fehltaggungen, Kopula-Kontext-Heuristiken für prädikative Adjektive und mehrere automatische Fallbacks. Mögliche Unsicherheiten werden aus Konfidenz-Scores heraus erkannt und durch UI-Warnungen transparent gemacht.

Verwendete Literaturgrundlagen
  • Dürscheid, Christa: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2012.
  • Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 5. Aufl. Stuttgart: Metzler 2020.
  • Pittner, Karin / Berman, Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 7., erw. Aufl. Tübingen: Narr 2021.
  • Wöllstein, Angelika: Topologisches Satzmodell. 2. Aufl. Heidelberg: Winter 2014 (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).