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Grammatik // Morphologie

Kasus einfach erklärt

Die vier Fälle einfach erklärt. Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv mit Fragen, Formen und Methoden zur sicheren Kasusbestimmung. Jetzt kostenlos lernen!

01

Vier Fälle, vier Aufgaben

Jeder Kasus hat eine typische Funktion im Satz. Am schnellsten kommt man ihm mit der passenden Frage auf die Spur. Die Beispiele drehen sich hier rund um eine kleine Gartenszene.

1

Nominativ

Casus rectus
Wer oder was?
  • Subjekt des Satzes
  • Gleichsetzung nach sein, werden, bleiben
Die Gärtnerin pflanzt einen Apfelbaum.
2

Akkusativ

obliquer Kasus
Wen oder was?
  • direktes Objekt
  • nach bestimmten Präpositionen
Die Gärtnerin pflanzt einen Apfelbaum.
3

Dativ

obliquer Kasus
Wem?
  • indirektes Objekt
  • nach bestimmten Präpositionen
Sie zeigt ihrem Nachbarn die Blüten.
4

Genitiv

obliquer Kasus
Wessen?
  • Zugehörigkeit, Besitz
  • nach bestimmten Präpositionen
Die Krone des Apfelbaums wirft Schatten.
Warum überhaupt Kasus?
Anders als das Englische verlässt sich das Deutsche nicht allein auf die Wortstellung.
Weil der Kasus die Satzrollen markiert, kann man die Reihenfolge ziemlich frei umstellen:

Den Nachbarn grüßt die Gärtnerin
meint genau dasselbe wie Die Gärtnerin grüßt den Nachbarn. Das den verrät, wer hier gegrüßt wird.
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Den Kasus erfragen

Die schnellste Methode im Alltag ist die Frageprobe: Man fragt nach dem Satzglied und liest am Fragewort den Kasus ab.

Der Tischler reicht dem Lehrling den Hammer.
Wer reicht?der Tischler → Nominativ (Subjekt)
Wem reicht er?dem Lehrling → Dativ (indirektes Objekt)
Was reicht er?den Hammer → Akkusativ (direktes Objekt)
Das Auto des Nachbarn blockiert die Einfahrt.
Wer blockiert?das Auto → Nominativ (Subjekt)
Wessen Auto?des Nachbarn → Genitiv (Zugehörigkeit)
Was blockiert es?die Einfahrt → Akkusativ (direktes Objekt)
Der Kasus steckt oft im Artikel
Häufig ist der Kasus nicht am Nomen selbst zu erkennen, sondern erst am Artikel:
In
die Lampe sehen Nominativ und Akkusativ gleich aus, in der Tisch gegenüber den Tisch macht der Artikel den Unterschied sichtbar.
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Wie die Formen sich verändern

Beim Deklinieren ändern sich vor allem Artikel und Endungen.

Maskulinum: der PinselFemininum: die BrückeNeutrum: das Segel
Kasus Maskulinum Femininum Neutrum Plural
Nominativ der Pinsel die Brücke das Segel die Pinsel
Akkusativ den Pinsel die Brücke das Segel die Pinsel
Dativ dem Pinsel der Brücke dem Segel den Pinseln
Genitiv des Pinsels der Brücke des Segels der Pinsel
Was sich beim Deklinieren ändert
Der Wortstamm bleibt in einem Flexionsparadigma meist konstant. Am Nomen selbst sind nur wenige Endungen sichtbar, vor allem das Genitiv-s im Maskulinum und Neutrum (des Pinsels, des Segels) und das Dativ-n im Plural (den Pinseln). Den Kasus markiert in erster Linie der Artikel.
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Wer den Kasus regiert

Den Kasus eines Nomens bestimmt man nicht frei. Verben und Präpositionen verlangen einen festen Fall, das nennt man Rektion. Man muss diese Verbindungen oft einfach mitlernen.

Verben

+ Akkusativ
streichengießenreparierensuchen
Der Maler streicht den Zaun.
+ Dativ
helfendankengratulierenvertrauen
Die Schülerin hilft dem Hausmeister.
+ Genitiv
gedenkensich erfreuenbedürfen
Der Verein gedenkt seines Gründers.

Präpositionen

+ Akkusativ
fürohnegegenumdurch
Sie radelt durch den Park.
+ Dativ
ausbeiseitvonzu
Er kommt gerade von der Werkstatt.
+ Genitiv
währendwegentrotzinnerhalb
Während des Gewitters blieb sie drinnen.
Wechselpräpositionen: Lage oder Richtung?
Neun Präpositionen schwanken zwischen Dativ und Akkusativ: in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben, zwischen.
Bei einer ruhenden Lage steht der Dativ (
Die Katze schläft auf dem Sofa), bei einer Bewegung dorthin der Akkusativ (Die Katze springt auf das Sofa).

Mehr Material

Fachlich fundiert

Die Wortart- und Kasusbestimmung stützt sich auf das statistische Sprachmodell von spaCy sowie LingMorph-v1 und die Tagsätze der germanistischen Schulgrammatik. Das Feldermodell folgt der etablierten topologischen Beschreibung des deutschen Satzes.

Die LingMorph-v1 ist eine Engine welche auf spaCys statistischen Modellen aufbaut und sie  mit drei unabhängigen, voneinander abgekoppelten Modulen ergänzt: Wortarten-Klassifikation nach STTS-Feinklassen, Kasus- und Merkmals-Erkennung und topologisches Feldermodell. Die Engine ist dabei erfahrungsgemäß fehlerresistent: Jede Teilanalyse ist einzeln gekapselt, sodass ein Fehler niemals die gesamte Ausgabe zerstört. Sie nutzt Adjektiv-Suffix-Erkennungen zur Korrektur von Fehltaggungen, Kopula-Kontext-Heuristiken für prädikative Adjektive und mehrere automatische Fallbacks. Mögliche Unsicherheiten werden aus Konfidenz-Scores heraus erkannt und durch UI-Warnungen transparent gemacht.

Verwendete Literaturgrundlagen
  • Dürscheid, Christa: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2012.
  • Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 5. Aufl. Stuttgart: Metzler 2020.
  • Pittner, Karin / Berman, Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 7., erw. Aufl. Tübingen: Narr 2021.
  • Wöllstein, Angelika: Topologisches Satzmodell. 2. Aufl. Heidelberg: Winter 2014 (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).