Direkt zum Inhalt

Wer, wessen, wem, wen?

Im Deutschen gibt es vier Kasus (Fälle). Sie zeigen, welche Rolle eine Wortgruppe im Satz spielt, auch dann, wenn sie an einer ungewohnten Stelle steht.

Ein Satz, drei Kasus
Die GärtnerinNominativ · wer? zeigtPrädikat ihrem NachbarnDativ · wem? einen ApfelbaumAkkusativ · wen?

Tipp: Frag nach der Wortgruppe. Das Fragewort zeigt dir den Kasus.

Überblick

Vier Kasus, vier Aufgaben

Jeder Kasus hat eine typische Aufgabe im Satz. Mit der passenden Frage findest du ihn.

Nominativ

1. Fall · Wer-Fall
Wer oder was?
  • das Subjekt des Satzes
  • Gleichsetzung nach sein, werden, bleiben

Die Gärtnerin pflanzt einen Apfelbaum.

Genitiv

2. Fall · Wessen-Fall
Wessen?
  • Zugehörigkeit, Besitz
  • nach bestimmten Präpositionen

Die Krone des Apfelbaums wirft Schatten.

Dativ

3. Fall · Wem-Fall
Wem?
  • das indirekte Objekt
  • nach bestimmten Präpositionen

Sie zeigt ihrem Nachbarn die Blüten.

Akkusativ

4. Fall · Wen-Fall
Wen oder was?
  • das direkte Objekt
  • nach bestimmten Präpositionen

Die Gärtnerin pflanzt einen Apfelbaum.

Warum gibt es überhaupt Kasus? Vergleiche:

Die Gärtnerin grüßt den Nachbarn.

Die Gärtnerin steht vorne. Klar: Sie grüßt.

Den Nachbarn grüßt die Gärtnerin.

Andere Reihenfolge, aber das kleine „den“ verrät: Der Nachbar wird gegrüßt.

Beide Sätze meinen genau dasselbe

Der Kasus zeigt, wer was tut, egal an welcher Stelle die Wortgruppe steht. Deshalb kann das Deutsche Satzglieder so frei umstellen.

Methode

Den Kasus erfragen

Die schnellste Methode ist die Frageprobe: Frag nach der Wortgruppe und lies den Kasus am Fragewort ab.

Der Tischler reicht dem Lehrlingden Hammer.

Wer reicht?der TischlerNominativ
Wem reicht er etwas?dem LehrlingDativ
Wen oder was reicht er?den HammerAkkusativ

Das Autodes Nachbarn blockiert die Einfahrt.

Wer blockiert?das AutoNominativ
Wessen Auto?des NachbarnGenitiv
Wen oder was blockiert es?die EinfahrtAkkusativ

Der Kasus steckt oft im Artikel

Bei die Lampe sehen Nominativ und Akkusativ gleich aus. Bei der Tisch und den Tisch macht der Artikel den Unterschied sichtbar.

Deklination

Wie die Formen sich ändern

Beim Deklinieren ändern sich vor allem die Artikel und ein paar Endungen. Hier siehst du alle drei Geschlechter und den Plural.

Maskulinum: der PinselFemininum: die BrückeNeutrum: das Segel
Deklination von Pinsel, Brücke und Segel
KasusMaskulinumFemininumNeutrumPlural
Nominativ · wer?der Pinseldie Brückedas Segeldie Pinsel
Genitiv · wessen?des Pinselsder Brückedes Segelsder Pinsel
Dativ · wem?dem Pinselder Brückedem Segelden Pinseln
Akkusativ · wen?den Pinseldie Brückedas Segeldie Pinsel

Der Wortstamm bleibt meist gleich. Am Nomen selbst siehst du nur wenige Endungen, vor allem das Genitiv-s (des Pinsels, des Segels) und das Dativ-n im Plural (den Pinseln). Den Kasus zeigt vor allem der Artikel.

Rektion

Wer bestimmt den Kasus?

Den Kasus wählst du nicht frei. Verben und Präpositionen verlangen einen bestimmten Kasus. Das nennt man Rektion. Diese Paare lernst du am besten mit.

Verben

+ Akkusativ

wen oder was?
streichengießenreparierensuchen

Der Maler streicht den Zaun.

+ Dativ

wem?
helfendankengratulierenvertrauen

Die Schülerin hilft dem Hausmeister.

+ Genitiv

wessen?
gedenkensich erfreuenbedürfen

Der Verein gedenkt seines Gründers.

Präpositionen

+ Akkusativ

immer der 4. Fall
fürohnegegenumdurch

Sie radelt durch den Park.

+ Dativ

immer der 3. Fall
ausbeiseitvonzu

Er kommt gerade von der Werkstatt.

+ Genitiv

immer der 2. Fall
währendwegentrotzinnerhalb

Während des Gewitters blieb sie drinnen.

Wechselpräpositionen: Lage oder Richtung?

Neun Präpositionen können Dativ oder Akkusativ verlangen:

inanaufüberuntervorhinternebenzwischen

Wo? → Dativ

Etwas ist schon da (Lage).

Die Katze liegt auf dem Sofa.

Wohin? → Akkusativ

Etwas bewegt sich dorthin (Richtung).

Die Katze springt auf das Sofa.