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Grammatik // Syntax

Satzglieder einfach erklärt

Satzglieder einfach erklärt. Die vier Fälle Subjekt, Objekt, Adverbial und Prädikativ mit Fragen, Tests und Methoden zur sicheren Bestimmung. Jetzt kostenlos lernen!

01

Was ist ein Satzglied? Die Konstituententests

Ein Satz lässt sich in die Konstituenten Wörter und Wortgruppen (Phrasen) zerlegen. Welche Wortfolgen eine Konstituente bilden, prüfen vier Tests. Konstituenten, die alle Tests bestehen, heißen Satzglieder.

1 · Der Fragetest

Was sich gemeinsam erfragen lässt, ist eine Konstituente. Der Fragetest verrät zugleich auch die Funktion (z. B.: wer? → Subjekt).

SatzDas Auto parkt am Straßenrand.
FrageWo parkt das Auto? → am StraßenrandKonstituente

2 · Der Pronominalisierungstest

Was sich durch ein Pronomen oder eine Pro-Form (er, sie, es, da, dann, dort) ersetzen lässt, ist eine Konstituente. (Auch Ersatzprobe genannt.)

SatzDas Auto parkt am Straßenrand.
ErsatzEs parkt dort. Konstituente

3 · Der Verschiebetest

Was sich gemeinsam an eine andere Stelle verschieben lässt, ist eine Konstituente. (Auch Permutationsprobe genannt.)

SatzDas Auto parkt schräg am Straßenrand.
ProbeSchräg parkt das Auto am Straßenrand.Satzglied

4 · Der Vorfeldtest

Was allein vor dem finiten Verb stehen kann (also im Vorfeld eines Aussagesatzes), ist ein selbstständiges Satzglied.

VorfeldAm Straßenrand parkt das Auto schräg.Satzglied
Vorfeld*Am parkt das Auto schräg Straßenrand.kein Satzglied
Konstituente ist nicht gleich Satzglied: Manche Wortfolgen bestehen nur einen Teil der Tests.
Satzglied
Die Farbe des Autos 
erfragbar, pronominalisierbar, verschiebbar und vorfeldfähig.

→ Satzglied

Konstituente
Des Autos
nicht erfragbar, pronominalisierbar, verschiebbar oder vorfeldfähig.

→ Kein Satzglied

02

Die Satzglieder

Satzglieder übernehmen eine von vier Funktionen: Subjekt, Adverbial, Prädikativ oder Objekt.

Diese Begriffe sind jedoch stets relational eine Phrase ist nie für sich Subjekt oder Objekt, sondern immer in Bezug auf das Verb. Das Prädikat (das finite Verb mit seinen Bestandteilen) bildet dabei das Zentrum, auf das sich alle anderen Satzglieder beziehen.

P

Prädikat

Status als Satzglied umstritten
Was geschieht?
  • Zentrum des Satzes
  • bestimmt die Valenz (also wie viele und welche Satzglieder das Verb verlangt)
Die Studentin liest den Roman.
S

Subjekt

Wer oder was?
  • steht im Nominativ
  • kongruiert mit dem Verb in Person und in Numerus
  • Fast jedes Verb fordert ein Subjekt
Die Studentin liest den Roman.
A

Adverbial

Wann? Wo? Wie? Warum?
  • Umstände der Handlung
  •  Untergruppen: Lokale, temporale, modale und kausale Adverbiale
Heute liest die Studentin.
Pr

Prädikativ

Was/wie ist das Subjekt?
  •  meist bei Kopulaverben wie sein, werden, bleiben
  • trägt den Gehalt des Prädikats
Die Studentin ist fleißig.

Die Objekte

Es gibt im Deutschen vier Arten von Objekten.

Oa

Akkusativobjekt

Auch: Direktes Objekt
Wen oder was?
  • häufigstes Objekt
  • wird im Passiv zum Subjekt
Sie liest den Roman.
Od

Dativobjekt

Auch: Indirektes Objekt
Wem?
  • meist Empfänger / Betroffener
  • wird im Passiv nicht Subjekt
Sie hilft dem Freund.
Og

Genitivobjekt

Wessen?
  • selten, gehobenes Register
Wir gedenken der Opfer.
Op

Präpositionalobjekt

Worauf? Worüber? …
  •  Viele Verben sind fest mit einer Präposition verbunden
  • Präpositionen tragen selbst keine Bedeutung
Sie wartet auf den Brief.
03

Ergänzungen und Angaben

Die Fähigkeit eines Verbs, bestimmte Satzglieder zu fordern, heißt Valenz. Vom Verb geforderte Satzglieder sind 
valenzgebundene Ergänzungen, frei hinzufügbare sind valenzfrei Angaben.

Zwei Klassen von Satzgliedern: Ergänzungen und Angaben
Ergänzungen (valenzgebunden)
  • S Subjekt
  • Oa Akkusativobjekt
  • Od Dativobjekt
  • Og Genitivobjekt
  • Op Präpositionalobjekt
  • Pr Prädikativ
Angaben (valenzfrei)
  • Atemp Temporaladverbial
  • Alok Lokaladverbial
  • Akaus Kausaladverbial
  • Amod Modaladverbial
Wertigkeit ausgewählter Verben: schlafen, lesen, helfen, geben
Verb Subjekt Dativobjekt Akkusativobjekt wertigkeit
schlafen NOM einwertig
lesen NOM AKK zweiwertig
helfen NOM DAT zweiwertig
geben NOM DAT AKK dreiwertig
Adverbial oder Ergänzung: Unterscheidung zwischen Adverbiale (Angaben) und Präpositionalobjekte (Ergänzungen)
Adverbiale (Angabe)
  • Präposition ist nicht verbfest
  • durch Adverb ersetzbar: dort, dann, deshalb
  • Fragetest: wo? wann? warum? wie?
Er schläft in der Bibliothek. → dort
Präpositionalobjekt (Ergänzung)
  • Präposition ist verbfest
  • nur durch da(r)- + Präposition ersetzbar
  • Fragetest: wo(r)- + Präp. (worauf?)
Er wartet auf die Nachricht. → *dort
04

Attribute sind keine Satzglieder

Ein Attribut hängt von einem anderen Wort ab und ist Teil von dessen Phrase. Es ist zwar oft eine Konstituente, aber nicht allein verschiebbar oder vorfeldfähig, also auch kein eigenständiges Satzglied.

Adjektivattribut

Ein adjektivisches Attribut modifiziert ein Nomen und kongruiert mit ihm in Kasus, Genus und Numerus. Es ist Teil des Satzglieds, nicht selbst eines.

SatzgliedDer alte Lehrer erklärt die Aufgabe.
Ganzes SGHeute erklärt der alte Lehrer die Aufgabe. ✓
Attribut allein*Alte erklärt der Lehrer die Aufgabe. ✗
Genitivattribut

Ein Genitivattribut steht im Genitiv und hängt von einem Nomen ab. Es drückt typischerweise eine Zugehörigkeit aus und ist kein eigenes Satzglied.

SatzgliedDas ist das Haus des Nachbarn.
Attribut allein*Des Nachbarn ist das Haus. ✗
Relativsatzattribut

Ein Relativsatz kann als Attribut an ein Nomen angeschlossen sein. Er erweitert das Satzglied, ist aber selbst kein Satzglied und nicht verschiebbar.

SatzgliedDie Frau, die singt, ist meine Tante.
Nicht allein*Die singt ist meine Tante. ✗

Mehr Material

Fachlich fundiert

Die Wortart- und Kasusbestimmung stützt sich auf das statistische Sprachmodell von spaCy sowie LingMorph-v1 und die Tagsätze der germanistischen Schulgrammatik. Das Feldermodell folgt der etablierten topologischen Beschreibung des deutschen Satzes.

Die LingMorph-v1 ist eine Engine welche auf spaCys statistischen Modellen aufbaut und sie  mit drei unabhängigen, voneinander abgekoppelten Modulen ergänzt: Wortarten-Klassifikation nach STTS-Feinklassen, Kasus- und Merkmals-Erkennung und topologisches Feldermodell. Die Engine ist dabei erfahrungsgemäß fehlerresistent: Jede Teilanalyse ist einzeln gekapselt, sodass ein Fehler niemals die gesamte Ausgabe zerstört. Sie nutzt Adjektiv-Suffix-Erkennungen zur Korrektur von Fehltaggungen, Kopula-Kontext-Heuristiken für prädikative Adjektive und mehrere automatische Fallbacks. Mögliche Unsicherheiten werden aus Konfidenz-Scores heraus erkannt und durch UI-Warnungen transparent gemacht.

Verwendete Literaturgrundlagen
  • Dürscheid, Christa: Syntax. Grundlagen und Theorien. 5. Aufl. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 2012.
  • Eisenberg, Peter: Grundriss der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 5. Aufl. Stuttgart: Metzler 2020.
  • Pittner, Karin / Berman, Judith: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 7., erw. Aufl. Tübingen: Narr 2021.
  • Wöllstein, Angelika: Topologisches Satzmodell. 2. Aufl. Heidelberg: Winter 2014 (= Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik 8).